Narkoseformen

Narkose nach Mass
 
Die moderne Anästhesiologie kennt heute eine Vielzahl von Verfahren zur Bewusstseins- und Schmerzausschaltung. Dies ermöglicht es in jeder Situation, für jeden Patienten individuell die für ihn geeignetste Narkoseform auszuwählen. Alle von uns angewendeten Verfahren entsprechen den jeweils geltenden  Sicherheits- und Qualitätsstandards der Schweizerischen Gesellschaft für Anästhesie und Reanimation (SGAR).
 
Grundsätzlich gibt es folgende Narkoseformen:
◼︎  Allgemeinanästhesie (= Vollnarkose)
◼︎  Regionalanästhesie (= Teilnarkose oder Teilanästhesie)
◼︎  Lokalanästhesie
◼︎  Sedation / Analgosedation


Welche Form der Narkose im konkreten Fall angewendet wird, werden wir mit Ihnen im Rahmen des telefonischen Vorbereitungsgesprächs festlegen und dabei selbstverständlich soweit möglich Ihre individuellen Wünsche berücksichtigen. Grundsätzlich gilt:

  • Medizinisch gesehen ist es fast nie relevant, ob man eine Vollnarkose oder eine Regionalanästhesie macht.
  • Man kann (fast) immer eine Vollnarkose machen. Bei gewissen Eingriffen muss man eine Vollnarkose machen.
  • Nicht alle Eingriffe können in einer Regionalanästhesie durchgeführt werden. Regionalanästhesien werden nie gegen den Willen des Patienten durchgeführt.
  • Es kann Gründe geben, weswegen Ihnen im Fall der Wahlmöglichkeit das eine oder andere Verfahren nahe gelegt wird.

 
Allgemeinanästhesie
Die Allgemeinanästhesie, auch Vollnarkose genannt, ist ein tiefschlafähnlicher Zustand. Dafür werden über eine Infusionskanüle spezielle Medikamente (Anästhetika) gespritzt, die direkt auf das Gehirn wirken und dort das Bewusstsein ausgeschalten. Der Patient hat keine Schmerzen und nimmt vom Geschehen rund um ihn herum nichts wahr.
In der Regel muss bei Vollnarkosen die Atmung mit einer Gesichts- oder Kehlkopfmaske oder mit einem sogenannten Tubus ("Beatmungsschlauch“) künstlich unterstützt werden – dies ist für den Patienten jedoch nicht spürbar.
Die Vitalfunktionen (Kreislauf, Atmung) werden während der gesamten Narkosedauer kontinuierlich überwacht. Der Narkosearzt  kann die Dauer der Vollnarkosen auf wenige Minuten genau steuern, so dass der Patient kurz nach dem Ende des operativen Eingriffes wieder erwacht. 
 

Regionalanästhesie                
Bei der Regionalanästhesie (= Teilnarkose oder Teilanästhesie) wird nicht der ganze Körper betäubt, sondern nur ein einzelner Körperteil. Dies geschieht mit Hilfe spezieller Medikamente (den sogenannten Lokalanästhetika), die rund um einzelne Nervenstränge gespritz werden und dort die Ausbreitung der Nervenimpulse in den Nerven blockieren. So kann das Schmerzempfinden ganz gezielt nur in der zu operierenden Körperregion ausgeschaltet werden. Nach dem Einspritzen der Medikamente werden die so schmerzfrei gemachten Gebiete zuerst warm, dann gefühllos und können vorübergehend nicht mehr bewegt werden.
Das Setzen dieser sogenannten Nervenblockaden ist nicht schmerzhaft, da die Einstichstelle zuerst lokal unempfindlich gemacht wird.
Der Patient empfindet also während Regionalanästhesien keine Schmerzen, ist aber wach. Bei Bedarf kann ein leichtes Beruhigungsmittel verabreicht werden. Sollte seltenerweise die Wirkung einer Regionalanästhesie ungenügend sein oder unerwartet zu früh nachlassen, können jederzeit Schmerzmittel hinzugefügt oder eine Vollnarkose eingeleitet werden.
Diese Narkoseform ist für Kinder und Menschen mit Behinderung meistens nicht geeignet, da hierfür die Mitarbeit des Patienten notwendig ist.
Abhängig davon, wo genau die Nervenblockade gesetzt wird, unterscheidet man verschiedene Formen der Regionalanästhesie:

  • Bei der sogenannten rückenmarksnahen* Regionalanästhesie (wird die ganze untere Körperhälfte schmerzunempfindlich gemacht. Üblicherweise wird für ambulante Eingriffe nur eine einmalige Punktion gemacht (= Spinalanästhesie).
    *) ”rückenmarksnahe“, weil zwar in die Nähe des Rückenmarks aber nicht in dieses hinein gespritzt wird
  • Bei den sogenannten peripheren Nervenblockaden werden die Nerven blockiert, die eine einzelne Extremität versorgen. Dadurch wird nur ein Arm oder ein Bein anästhesiert. (= Plexus-Anästhesie)
  • Eine Sonderform der Regionalanästhesie ist die sogenannte intravenöse Anästhesie (IVRA). Dabei wird das Medikament nicht direkt in die Nähe der Nerven sondern in die Venen eines Armes oder Beines gespritzt. Etwas Ähnliches wie eine Blutdruckmanschette verhindert, dass das Medikament während der Operation zu früh weggespült wird.
     

Lokalananästhesie
Diese wird in der Regel vom Operateur selbst gesetzt. Dabei wird das (in der Regel kleine) Operationsgebiet durch direktes Einspritzen des Medikamentes am Ort selbst unempfindlich gemacht.  Bei Bedarf kann der Narkosearzt zusätzlich Beruhigungs- oder Schmerzmittel verabreichen.

Sedation / Analgosedation               
Bei einer Sedation werden das Bewusstsein und die Schmerzempfindung mit Medikamenten gedämpft, aber nicht ganz ausgeschaltet, der Patient befindet sich in einer Art oberflächlichem Dämmerzustand. Die Erinnerung an den operativen Eingriff geht häufig verloren. Kreislauf und Atmung werden aus Sicherheitsgründen laufend übwacht.