Narkosen bei Menschen mit Behinderungen

Behinderungen sind für uns keine Verhinderung

Begleitung
Ein operativer Eingriff oder eine Zahnbehandlung kann für Menschen mit einer Behinderung eine grosse Stress-Sitaution darstellen. Die ungewohnte Umgebung, die vielen unbekannten Gesichter wirken einschüchternd. Deshalb ist es wichtig, wenn mindestens eine vertraute Bezugsperson (Elternteil, Betreuer) den Patienten begleitet. Bei uns dürfen Sie bei ihm bleiben bis er eingeschlafen ist.
Nehmen Sie allenfalls vertraute Gegenstände (Spielsachen, ein Plüschtier oder die Noscheli-Decke) mit. Es macht nichts, wenn diese alt und beschädigt sind. Hauptsache, sie geben dem Patienten ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit.
 
Was soll ich der Patientin / dem Patienten sagen?
Wenn es möglich ist, sprechen Sie mit dem Patienten über die bevorstehende Behandlung und die Narkose und erklären Sie ihm was ihn erwartet. Eine dem Auffassungsvermögen und der Situation angepasste Information hilft mit, Angst abzubauen und schafft Vertrauen und Sicherheit.
 
Aufklärungsbroschüre, Gesundheistfragebogen
Sobald der Behandlungstermin feststeht, bekommen Sie von uns einen Brief, der eine Aufklärungsbroschüre sowie einen Gesundheitsfragebogen enthält. Den Gesundheitsfragebogen senden Sie bitte mit dem ebenfalls beigelegten Rückantwortcouvert an uns zurück. Sollte die Zeit dafür ausnahmsweise nicht reichen, bringen Sie ihn bitte ausgefüllt zur Behandlung mit.
Wenn aufgrund Ihrer Antworten im Gesundheitsfragebogen allenfalls noch weitere Abklärungen notwendig sind, setzen wir uns umgehend mit Ihnen und eventuell Ihrem Hausarzt in Verbindung, damit diese zusätzlichen Untersuchungen rechtzeitig durchgeführt werden können. In seltenen Fällen muss dafür der geplante Eingriffstermin verschoben werden. Ausnahmsweise kann dann aufgrund der Zusatzbefunde eine Operation doch nicht wie geplant ambulant, sondern muss stationär in einem Spital durchgeführt werden.
 
Telefonanruf am Vorabend des Eingriffes
Spätestens am Tag vor dem operativen Eingriff, in der Regel abends ruft Ihr Narkosearzt Sie persönlich und / oder das Betreuungsteam im Heim an. Im Rahmen dieses Gespräches wird er den Ablauf der Narkose erläutern. Bei Menschen mit Behinderungen sind in der überwiegendsten Zahl der Fälle Vollnarkosen notwendig. Es werden die wichtigsten Risiken angesprochen und alle Ihre Fragen beantwortet.

Nüchternheitsgebot
Wichtig ist zudem: 

  • Ab sechs Stunden vor dem Eingriff keine feste Nahrung, oder milchhaltigen Getränke mehr geben.
  • Erlaubt sind bis zwei Stunden vor dem Eingriff noch klare Flüssigkeiten wie Wasser, Süssgetränke, Sirup, Tee mit Zucker.
  • Danach darf der Patient gar nichts mehr zu sich nehmen!


Medikamente
Sollte der Patient Medikamente einnehmen müssen, so geben Sie Ihm diese bitte auch am Eingriffstag wie gewohnt ein – allfällige Ausnahmen werden beim telefonischen Vorgespräch festgelegt. 
Ob beruhigende Vorbereitungsmedikamente (Prämedikation) notwendig sind und wann diese verabreicht werden sollen, besprechen wir im Einzelfall mit Ihnen oder dem Betreuer-Team des Wohnheimes. 

Kurzfristige Änderungen des Gesundheitszustandes
Zudem bitten wir Sie, uns allfällige Änderungen des  Gesundheitszustandes des Patienten  rechtzeitig mitzuteilen –  so zum Beispiel Erkältungen, Grippe, neu eingesetzte Medikamente oder eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes. 

Verhalten am Tag des Eingriffes
Ziehen Sie der Patientin / dem Patienten bequeme Kleider an und führen Sie sie / ihn, wenn möglich, unmittelbar vor dem Beginn der Narkose-Einleitung zur Toilette. 

Anästhesie-Einleitung
Die Einleitung der Narkose erfolgt bei Menschen mit Behinderungen je nach Kooperationsfähigkeit entweder über eine Gesichtsmaske oder über einen Venenzugang. Das Anschliessen an den Überwachungsmonitor (Elektrokardiogramm, Blutdruck, Sauerstoffsättigung im Blut) erfolgt je nach Situation vor oder erst nach dem der Patient eingeschlafen ist. Nun dürfen Sie den Behandlungsraum verlassen und darauf vertrauen, dass wir den Patienten kontinuierlich überwachen und betreuen. Je nach geplantem Eingriff erfolgt nun noch das Einlegen einer Larynxmaske oder eine Intubation (Einführung eines Beatmungsschlauches durch Mund oder Nase). Davon spürt der Patient jedoch nichts! Danach kann der Eingriff beginnen.  

Während der Operation
Während der ganzen Anästhesiedauer wird der Patient vom Anästhesie-Team lückenlos überwacht! In der Regel muss während Vollnarkosen die Atmung künstlich unterstützt werden, davon spürt der Patient jedoch nichts. Kurz vor dem Ende des Eingriffes werden Schmerzmittel verabreicht, so dass er ohne grosse Schmerzen aufwachen kann.
 
Anästhesie-Ende, Entlassung
5 bis 10 Minuten nach Ende des Eingriffes erwacht der Patient wieder und Sie dürfen wieder zu ihm kommen. Meistens nach weiteren etwa 30 bis 60 Minuten – sobald er ausreichend wach, schmerzfrei und ohne Übelkeit ist -, können Sie mit ihm nach Hause zurückkehren. Die Entlassung muss zwingend in Begleitung einer erwachsenen Person erfolgen.

Verhalten zu Hause
Planen Sie ein, den Patienten auch während des restlichen Eingriffstages und ggf. während der darauffolgenden Nacht speziell beaufsichtigen und betreuen zu müssen.
Wir geben Ihnen im Bedarfsfall Schmerzmittel mit, so dass Sie auch erst später zu Hause auftretende Schmerzen problemlos selbst behandeln können.
Auch wenn Komplikationen bei ambulanten Eingriffen auch bei Menschen mit Behinderungen glücklicherweise sehr selten sind, stehen wir – und auch Ihr Arzt bzw. Zahnarzt – Ihnen auch später jederzeit für Fragen und Unterstützung zur Verfügung! (Kontakt)
Zu Ihrer Sicherheit geben wir Ihnen ein Dokument mit nach Hause, auf welchem alle wichtigen Medikamentenverordnungen, Verhaltensregeln und Telefonnummern aufgeführt sind.

In unserer Aufklärungsbroschüre finden Sie eine Zusammenfassung aller wichtigen Hinweise zum Verhalten vor und nach dem Eingriff.

Weitere Informationen finden Sie auch in den Rubriken Antworten auf häufige Fragen und Narkosevokabular.